Merseburg: Fünf Millionen Zigaretten in 18 Monaten – eine Million Steuerschaden

JBM - Am vergangenen Wochenende beendete das Zollfahndungsamt Dresden eine mehr als eineinhalb Jahre andauernde Überwachung eines illegaler Zigaretten-Schmugglers aus dem Raum Merseburg - zwei Verhaftungen.

Im Kampf gegen den illegalen Zigaretten-Schmuggel sind die 'kleinen Fische' für Zollfahnder auf Dauer eher unbefriedigend. Mit diesen 'kleinen Fischen' sind die Schmuggel-Transporte von Ost nach West gemeint. Ständig Fahrzeuge nach deren Grenzübertritt nach Deutschland anzuhalten, um wieder einmal ein paar Tausend Zigaretten zu beschlagnahmen, scheint für sie auch keine Lösung.

„Wenn wir einen Lkw oder Pkw anhalten, grüßen uns die restlichen zehn vorbeifahrenden Fahrer illegaler Transporte, die wir nicht kontrollieren", so ein Zielfahnder zu JBM|News. „Die offenenen Grenzen laden doch regelrecht zu solchen Massentransporten ein."

Seit Öffnung der Grenzen ein schier aussichtsloser Kampf gegen Windmühlen - besser gesagt: Organisierte Kriminalität. Insbesondere dann, wenn kriminelle Handlungen in größerem Umfang und mit einer größeren Anzahl von Tätern stattfinden, spricht man von 'Organisierter Kriminalität' - abgekürzt auch O.K.

Diese Organisierte Kriminalität im illegalen Zigaretten-Schmuggel kommt aber nicht von ungfähr. Sie konnte in Deutschland erst richtig Fuß fassen, weil die Nachfrage nach derartigen Zigaretten durch Raucher enorm gestiegen ist - genauso, wie die Preise für Zigaretten.

Raucher, die unversteuerte - illegale - Zigaretten kaufen, sind also der eigentliche Motor für den 'Schwarzmarkt'. Gäbe es diese Nachfrage nicht, würde folglich auch das Angebot sinken.

Fahnder wollen - und müssen - daher große Strukturen und ganze Tätergruppen gezielt ermitteln. Doch das kostet Zeit - oft sogar viel Zeit, will man die 'großen Fische' dingfest machen.

Moderne Ermittlungsmaßnahmen umfassen daher nicht nur Telefonüberwachungen, sondern immer noch Observationen durch Zielfahnder. Deren Aufgabe ist es, ein möglichst umfangreiches und genaues Bewegungsprofil von mutmaßlichen Tätern und Gruppierungen zu erfassen. Solche Ermittlungen kosten Zeit - oft Jahre.

Inzwischen sind nicht mehr nur die Verbindungen zwischen Anlieferung aus Osteuropa und Verteilergruppen in Deutschland im Fokus der Ermittler, sondern vermehrt auch die Endabnehmer selber - also die Raucher.

Bianca Richter vom Zollfahndungsamt Dresden zu JBM|News: „Die Käufer von illegalen Zigaretten machen sich ebenso strafbar, wie diejenigen, die sie verkaufen".

Fahnder verfolgen die Geschehnisse inzwischen von der illegalen Einfuhr - über Zwischenstationen und kleinen Händlern - bis zum Endabnehmer: dem Bezieher der Zigaretten. Hierbei kommen unter anderem Foto- und Filmkameras zum Einsatz, die späteren Ermittlungsverfahren als Beweis dienen.

„Händler von illegalen Zigaretten lungern nicht mehr nur vor Bahnhöfen, sondern haben sich gerade wegen einer hohen Entdeckunsgefahr in den Untergrund zurück gezogen", so ein weiterer Ermittler, der aus ermittlungstechnischen Gründen nicht genannt werden darf.

Zu diesem 'Untergrund' gehören für den Fahnder auch Kneipen, Diskotheken, Fußballstadien und „Orte, wo Dealer potentielle Kundschaft wittern." Kleine Händler leben ohnehin von 'Stammkundschaft', die regelmäßig mit Nachschub versorgt werden.

Zielfahnder aus Dresden begannen daher im Mai letzten Jahres einen 34-jährigen Polen, der als Zwischenhändler im Großraum Merseburg in Sachsen-Anhalt Zigaretten an kleinere Händler lieferte, ins Visier zu nehmen. Monatelange Überwachungen brachten den Fahndern umfangreiche Beweise und Strukturen zum Vorschein.

Der Zeitpunkt des Zugriffs war gekommen - mit 60 Einsatzkräften schlug das Zollfahndungsamt Dresden nun zu. Der 34-jährige Zwischenhändler aus Merseburg und zwei weitere Täter wurden ahnungslos bei der Anlieferung von 160.000 Zigaretten - mit russischer Steuerzeichen - gestellt. Zeitgleich durchsuchten Zöllner mehrere Wohnungen und Garagen im Raum Merseburg.

Der 35-jährige - aus Polen stammende - Lieferant und sein Zwischenhändler wurden unmittelbar verhaftet, ein 27-jähriger Landsmann eines Begleitfahrzeuges musste wieder frei gelassen werden, da ihm keine unmittelbare Beteiligung an dem illegalen Transport nachgewiesen werden konnte.

In diesen eineinhalb Jahren sollen nach Angaben des Zollfahndungsamtes Dresden allein durch diesen Händler mehr als fünf Millionen Zigaretten verschiedener Marken umgeschlagen worden sein - der Steuerschaden liege bei rund einer Million Euro.

Im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität im Zigaretten-Schmuggel zählt der 34-jährige Pole damit wohl zu den 'großen Fischen'.


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