Hamburger Hafen – Kokain in Grill-Kohle-Säcken aus Paraguay

80 Kilo Kokain, mit einem Straßen-Verkaufswert von mehr als fünf Millionen Euro, beschlagnahmten Zöllner im Hamburger Hafen bei der Kontrolle eines Fracht-Containers mit Grill-Kohle aus Paraguay.

Eigentlich war es nur einer der üblichen Stichproben-Kontrollen von Fracht-Containern im Hamburger Hafen, aber ein Volltreffer. Der Container war von Ermittlern im Rahmen einer Risikoanalyse Stichproben halber für eine nähere Kontrolle ausgesucht worden.

Beim Durchleuchten mit einem mobilen Röntgengerät wurden die Ermittler wegen auffälliger Veränderungen in der Farbwiedergabe auf dem Monitor des Röntgengerätes misstrauisch. Testweise öffneten sie daher einige der Grill-Kohle-Säcke. Ein Schnell-Test ergab: Kokain!

Bereits für den deutschen Markt gefertigt / Bild: ZFA-HH

Bereits für den deutschen Markt gefertigt / Bild: ZFA-HH

Dies aber lag nicht nur so zwischen der Grill-Kohle, sondern das Kokain war professionell zu Blöcken je 100 Gramm gepresst und mit einer Kohleschicht überzogen -  als Holzkohle-Brikett getarnt und gemischt, mit echter Grillkohle in den Säcken versteckt.

Spätere Tests ergaben einen Kokain-Wirkstoffgehalt von rund 90 Prozent.

Empfänger dieser Grill-Kohle: eine Firma in der Nähe von Augsburg. Als Hintermänner des Drogen-Schmuggels konnten drei Personen ermittelt werden. Dabei handelt es sich um den Inhaber der Empfängerfirma, ein 34-jähriger Pole sowie ein 61-jähriger Italiener und ein 48-jähriger Deutscher.

Geschäfts- und Privaträume der Beschuldigten wurden durchsucht - die Staatsanwaltschaft Hamburg erließ Haftbefehl gegen alle drei Personen.

Bei den Durchsuchungen wurden unter anderem Beweismaterial in Form von schriftlichen und elektronischen Aufzeichnungen gefunden und sichergestellt.

Gut getarnt / Bild: ZFA-HH

Gut getarnt / Bild: ZFA-HH

"Mit der Festnahme der Hintermänner im Zusammenhang mit diesem Kokain-Schmuggel konnte die Zollfahndung ihr primäres Ziel, nämlich die Bekämpfung mittlerer und schwerer Kriminalität und damit die Zerschlagung von Täterstrukturen, erfolgreich erfüllen. Solche Festnahmen sind der Schlüssel dafür, die internationale Rauschgift-Kriminalität nachhaltig zu stören und zu bekämpfen", so Niels Hennig, Pressesprecher des Zollfahndungsamts Hamburg.


Hintergrund


Erhält ein kolumbianischer Bauer in der Regel zwischen 620 und 710 Euro (700 - 800 US-Dollar) je Kilo Kokapaste, kassiert ein Drogenkurier bzw. Importeur bereits 2.700 Euro (3.000 US-Dollar)  je Kilo. In Deutschland kostet ein Kilo nahezu reines Kokain – mit einem Reinheitsgehalt von etwa 90 Prozent – derzeit etwa 30.000 Euro und Dealer können nach mehrmaligen Strecken bis zu 100.000 Euro an Straßenverkaufswert erzielen.

Im Durchschnitt liegt der Preis für einen Gramm gestrecktem Kokain zwischen 60 und 80 Euro, kann aber je nach Bundesland und Anlass auf bis zu 100 Euro ansteigen.

In dem Reinheitsgehalt von bis zu 90 Prozent gelangt es daher niemals zum Konsumenten – auf dem Weg dorthin wird es  in der Regel vier bis fünf Mal "gestreckt".  Im schlimmsten Fall enthalten straßenfertige Portionen nur noch 7 Prozent Anteil an reinem Kokain. Der Rest besteht üblicherweise aus  Rattengift, Kalk oder sogar Waschpulver.

Um stärkere Dosierungen vorzutäuschen werden häufig auch psychoaktive Substanzen unter das Kokain gemischt.

Infolgedessen kommt es beim Konsum von Kokain sehr häufig zu Kreislaufversagen, Ohnmacht, Psychosen, und Wahnvorstellungen. Ein Muskelzerfall gehört dabei zu den langfristigen Schäden von Drogensüchtigen.

Vielen Konsumenten - insbesondere jüngere - ist auch nicht bewusst, welche gesundheitlich enorm gefährliche Substanzen zum Strecken von Drogen verwendet werden - jeder Dealer behauptet ohnehin stets das reinere Kokain zu verkaufen.


Container-Umschlag im Hamburger Hafen


Container: Von dem so genannten Standard-Container (20 Fuß lang) wurden allein im vergangenen Jahr 9,7 Millionen umgeschlagen. Daher kommen allein aus Gründen solcher Mengen nur Stichproben-Kontrollen in Frage. 

Natürlich ist daher auch nur eine geringe Entdeckung illegalen Transportes von Schmuggel-Ware jeglicher Art möglich.

Aber auch die immer neueren Tricks der Schmuggler beeindrucken auch Zöllner immer wieder aufs Neue

Hier weitere Informationen zum Container-Umschlag im Hamburger Hafen.

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